"Der Defi ist wie mein Regenschirm"
9.09.06Ein AED gibt Herzinfarkt-Überlebenden und ihren Familien mehr Sicherheit. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien verspricht sich großen Erfolg von Home-Defibrillatoren.
Anlässlich eines Healthcare Roundtables von Philips in Wien präsentierten die Notfallmediziner ao Univ.Prof. Dr. Fritz Sterz und Dr. Moritz Haugk von der Medizinischen Universität am AKH Wien die Ergebnisse einer Langzeitstudie über das Verhalten von Herzinfarkt-Patienten und deren Angehörigen im Umgang mit speziell für Laien entwickelten halbautomatischen Defibrillatoren. Die Studie wurde im Großraum Wien mit 88 teilnehmenden Familien 2002 gestartet. Das Ergebnis nach zwölf Monaten inklusive Trainings: Alle Teilnehmer befinden, dass die Bedienung eines automatischen Defibrillators viel einfacher ist als die nicht ersetzbare Herzmassage mit Mund-zu-Mund-Beatmung, und 98 Prozent meinen, dass sie einen Defi im Ernstfall auch richtig anwenden können.
Für Emanuel Csorba, Teilnehmer an der Studie und dank Defi Überlebender eines Herzinfarktes, steht fest: „Der Defi ist wie mein Regenschirm. Ich habe ihn zuhause und auf Reisen immer dabei und hoffe, dass er nicht zum Einsatz kommen muss. Er gibt meiner Frau und mir mehr Sicherheit.”
Eine der häufigsten Todesursachen
Rund zwei Drittel aller Herzinfarkte passieren zuhause. Nur weniger als fünf Prozent überleben, nicht zuletzt weil kein Defibrillator rechtzeitig zur Hand ist. Für Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt haben, besteht innerhalb eines Jahres ein 25 bis 50 Prozent Risiko eines weiteren Herzinfarktes.
Ein plötzlicher Herztod tritt oft in Folge eines Herzinfarktes auf, wenn es dem Herzen an Sauerstoff mangelt. Der plötzliche Herztod ist eine elektrische Fehlfunktion des Herzens, die normalerweise für eine Störung des Herzrhythmus, das sogenannte Kammerflimmern, verantwortlich ist. In diesem Zustand werden die elektrischen Impulse des Herzens plötzlich chaotisch, was dazu führt, dass das Herz flimmert und nicht mehr im normalen Rhythmus pumpt. Die Betroffenen kollabieren und verlieren schnell das Bewusstein – oft ohne Vorwarnung. Wird ein normaler Herzrhythmus nicht innerhalb von Minuten wieder hergestellt, bestehen kaum Überlebenschancen. Ein Herz im Kammerflimmern wird am wirkungsvollsten mit einer Defibrillation behandelt. Dazu wird dem Herzen ein Stromstoß verabreicht, der einen normalen Herzrhythmus wiederherstellen soll. Bei einer Defibrillation, die in den ersten fünf Minuten nach einem Kollaps durchgeführt wird, besteht die größte Aussicht auf Erfolg. Mit jeder Minute, die ohne Defibrillation vergeht, sinken die Überlebenschancen um 7 bis 10 Prozent.
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